4. August 2026
· Aktualisiert 14. Oktober 2026
Non-admitted-Versicherung: Wo die deutsche Police nicht gilt
Non-admitted-Verbote treffen Auslandstöchter hart. Welche Länder betroffen sind, welche Strafen drohen und wie Sie mit Lokalpolicen rechtskonform versichern.
„Unsere Police gilt weltweit” — dieser Satz steht in vielen deutschen Firmenverträgen und stimmt trotzdem nur eingeschränkt. Der Grund ist ein Rechtsprinzip, das die meisten Unternehmer erst im Schadenfall kennenlernen: die Non-admitted-Versicherung. Dieser Ratgeber zeigt, welche Länder ein Non-admitted-Verbot haben, was bei Verstößen passiert und wie Sie es richtig lösen.
Was bedeutet admitted und non-admitted?
Versicherungsaufsicht ist nationales Recht. Ein Versicherer darf ein Risiko nur dann in einem Land zeichnen, wenn er dort zugelassen ist — dann spricht man von admitted. Deckt dagegen ein ausländischer Versicherer ohne lokale Zulassung ein Risiko mit, ist das non-admitted.
Genau das tut die deutsche „Weltpolice”, wenn sie eine Tochtergesellschaft in Brasilien oder Indien „mitversichert”: Sie deckt ein lokales Risiko aus Deutschland heraus — ohne Zulassung im Schadenland.
In welchen Ländern ist non-admitted verboten?
Es gibt keine feste, unveränderliche Liste — die Vorschriften ändern sich, und es kommt auf die Sparte an. Zu den Ländern mit striktem Non-admitted-Verbot zählen unter anderem:
- Lateinamerika: Brasilien, Argentinien, Mexiko
- Asien: Indien, China, Japan, Südkorea
- Europa (außerhalb EU/EWR): Schweiz, Russland
- Weitere: viele Staaten im Nahen Osten und in Afrika
Innerhalb von EU und EWR ist die Lage entspannter: Dank Dienstleistungsfreiheit darf ein deutscher Versicherer Risiken grenzüberschreitend decken. Und in einigen Ländern (etwa Teilen der USA) ist non-admitted über den Surplus-Lines-Markt zulässig, aber steuerlich und formal aufwendig.
Die einzig verlässliche Antwort liefert eine Compliance-Prüfung je Land und Sparte — nicht eine allgemeine Länderliste.
Länderübersicht zur Orientierung
Die folgende Übersicht ordnet typische Zielländer deutscher Mittelständler grob ein. Sie ist eine Orientierung und keine Rechtsauskunft: Maßgeblich sind immer das aktuelle Recht des Landes und die betroffene Sparte.
| Einordnung | Beispiele | Was das praktisch heißt |
|---|---|---|
| Non-admitted in der Regel verboten | Brasilien, Argentinien, Mexiko, Indien, China, Japan, Südkorea, Russland, Schweiz | Lokalpolice eines im Land zugelassenen Versicherers nötig |
| Grenzüberschreitend möglich über Dienstleistungsfreiheit | Staaten der EU sowie Norwegen, Island, Liechtenstein | Deckung aus Deutschland möglich; lokale Versicherungssteuer und Pflichtversicherungen beachten |
| Unter Auflagen möglich | USA (Surplus Lines, je Bundesstaat), Kanada, Australien | Zulässig, aber mit Steuer-, Melde- und Formvorschriften; Einzelfallprüfung |
| Seit dem Brexit eigener Fall | Vereinigtes Königreich | Keine EU-Dienstleistungsfreiheit mehr; Lösung über dort zugelassene Versicherer |
Zwei Punkte gelten fast überall, auch in Ländern mit liberalen Regeln: Pflichtversicherungen wie die Kfz-Haftpflicht oder die Absicherung von Arbeitsunfällen müssen lokal abgeschlossen werden. Und die Versicherungssteuer des Landes, in dem das Risiko liegt, ist auch dann abzuführen, wenn die Deckung aus Deutschland kommt.
Welche Strafen drohen bei Verstößen?
Ein Non-admitted-Verstoß ist kein Kavaliersdelikt. In der Praxis drohen:
- Keine Schadenzahlung vor Ort: Der deutsche Versicherer darf im Schadenland oft gar nicht regulieren — der Schaden bleibt faktisch ungedeckt.
- Steuernachforderungen: Die lokale Versicherungssteuer wurde nie abgeführt und wird nachverlangt, teils mit Zuschlägen.
- Bußgelder gegen die lokale Gesellschaft und mitunter ihre Geschäftsführung.
- Abgelehnte Zertifikate: Behörden, Kunden und Vermieter erkennen die deutsche Deckung nicht an.
Hinzu kommt ein steuerliches Folgeproblem: Zahlt der Versicherer den Schaden ersatzweise an die deutsche Muttergesellschaft, muss das Geld erst zur Tochter gelangen. Je nach Land kann diese Weiterleitung als steuerpflichtiger Ertrag oder als Einlage behandelt werden. Das gehört vorab mit der Steuerberatung geklärt.
Die Lösung: Lokalpolice statt Mitversicherung
Rechtskonform wird es über eine Lokalpolice eines im Land zugelassenen Versicherers, eingebettet in ein internationales Programm mit Mastervertrag. Der Master gleicht über DIC/DIL-Klauseln aus, was die Lokalpolice schlechter deckt. Die Mechanik dahinter erklärt der Grundlagenartikel Internationales Versicherungsprogramm einfach erklärt; die praktische Umsetzung für Tochterfirmen zeigt der Ratgeber zu Lokalpolicen für Auslandstöchter.
Wo eine Lokalpolice nicht möglich ist, kann eine Financial Interest Cover den Beteiligungswert der Muttergesellschaft absichern — ohne das Non-admitted-Problem auszulösen.
Mastervertrag und Makler: Wer macht was?
Ein internationales Programm hat mehrere Beteiligte, und die Aufgaben sind klar verteilt:
- Der führende Versicherer stellt den Mastervertrag und organisiert über sein Netzwerk die Lokalpolicen in den einzelnen Ländern.
- Die lokalen Versicherer stellen die Policen vor Ort aus, führen die Steuer ab und liefern die Zertifikate.
- Der Makler entwirft die Struktur, klärt je Land, was lokal versichert werden muss, schreibt das Programm aus, prüft die Prämienaufteilung und steuert im Schadenfall die Abwicklung zwischen Master und Lokalpolice.
Für den Mittelstand ist vor allem der erste Schritt wichtig: zu wissen, welche Standorte überhaupt eine Lokalpolice brauchen. Oft sind es weniger als befürchtet, weil sich EU-Standorte über die Dienstleistungsfreiheit lösen lassen.
Fünf Fragen, die Sie je Land klären sollten
- Darf ein deutscher Versicherer das Risiko in diesem Land decken — und gilt das für jede Sparte?
- Welche Versicherungen sind dort gesetzlich vorgeschrieben?
- Wer führt die lokale Versicherungssteuer ab, und auf welchen Prämienanteil?
- Verlangen Kunden, Vermieter oder Behörden vor Ort ein lokales Zertifikat?
- Wie käme eine Schadenzahlung tatsächlich bei der lokalen Gesellschaft an?
Bleibt eine dieser Fragen offen, lohnt die Prüfung, bevor ein Schaden sie beantwortet. Das gilt auch für die Managerhaftung: Für Geschäftsführer ausländischer Töchter kann eine lokale D&O-Police erforderlich sein.
Fazit
Non-admitted-Verbote sind der häufigste blinde Fleck bei der Absicherung von Auslandsstandorten. Wer Töchter, Werke oder Projekte im Ausland hat, sollte je Land prüfen lassen, ob lokal versichert werden muss — bevor ein Schaden die Lücke aufdeckt.
Als Makler in München strukturieren wir internationale Programme mit Lokalpolicen für den Mittelstand — rechtskonform und pragmatisch dimensioniert.