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Gewerbe

24. März 2026

· Aktualisiert 14. Oktober 2026

Berufshaftpflicht für IT-Dienstleister: Tech-E&O erklärt

Ein Softwarefehler beim Kunden verursacht reine Vermögensschäden — die Betriebshaftpflicht zahlt nicht. Was Tech-E&O für IT-Dienstleister und SaaS-Anbieter leistet.

Programmcode auf einem Bildschirm

IT-Dienstleister und SaaS-Anbieter tragen ein Risiko, das viele erst nach dem ersten Streit mit einem Kunden verstehen: Ihre größten Schäden sind keine Sach- oder Personenschäden, sondern reine Vermögensschäden — und die deckt die normale Betriebshaftpflicht nicht. Die Antwort darauf heißt Tech-E&O (Technology Errors & Omissions). Das ist die international gebräuchliche Bezeichnung für die Berufshaftpflicht von IT-Unternehmen; in Deutschland heißt sie meist IT-Haftpflicht oder Vermögensschadenhaftpflicht für IT. Dieser Ratgeber erklärt, worum es geht.

Das Kernrisiko: reine Vermögensschäden

Ein fehlerhaftes Software-Release, ein Konfigurationsfehler beim Kunden, eine verpasste Deadline im Projekt — die Folge ist selten ein kaputter Gegenstand, sondern ein finanzieller Schaden: Betriebsunterbrechung beim Kunden, entgangener Umsatz, Nacharbeit, Vertragsstrafen.

Die klassische Betriebshaftpflicht deckt Personen- und Sachschäden. Genau der typische IT-Schaden — der reine Vermögensschaden ohne vorausgehenden Sach- oder Personenschaden — fällt bei ihr durch das Raster.

Berufshaftpflicht, Betriebshaftpflicht, IT-Haftpflicht: die Begriffe

Für dieselbe Absicherung sind mehrere Namen im Umlauf. Das sorgt regelmäßig für Verwirrung, auch in Kundenverträgen:

BegriffWas gemeint ist
BetriebshaftpflichtPersonen- und Sachschäden aus dem Betrieb, etwa der Besucher, der im Büro stürzt
VermögensschadenhaftpflichtReine Vermögensschäden durch Fehler in der Leistung
BerufshaftpflichtSammelbegriff; bei IT-Berufen ist in der Regel die Vermögensschadenhaftpflicht gemeint
IT-HaftpflichtKombiniertes Konzept aus Betriebs- und Vermögensschadenhaftpflicht für IT-Unternehmen
Tech-E&OInternationale Bezeichnung für die Vermögensschadenhaftpflicht von Technologieunternehmen

Verlangt ein Auftraggeber eine „Berufshaftpflicht” oder „Professional Indemnity”, ist fast immer die Deckung für Vermögensschäden gemeint. Den grundsätzlichen Unterschied erklärt der Ratgeber Berufshaftpflicht oder Betriebshaftpflicht.

Was ist Tech-E&O / Vermögensschadenhaftpflicht?

Die Vermögensschadenhaftpflicht für IT (international: Tech-E&O) schließt genau diese Lücke. Sie deckt Ansprüche, die aus einem Fehler in Ihrer Leistung entstehen:

  • Programmier- und Beratungsfehler
  • Datenverlust durch mangelhafte Leistung
  • Verletzung von Service-Level-Vereinbarungen
  • Verzug und daraus resultierende Vermögensschäden beim Kunden

Dazu kommt der sogenannte passive Rechtsschutz: Der Versicherer prüft, ob der Anspruch überhaupt berechtigt ist, und wehrt unberechtigte Forderungen ab. Moderne Konzepte kombinieren Tech-E&O häufig mit einer Cyber-Deckung, weil sich Dienstleistungs- und Cyberrisiko bei IT-Unternehmen überschneiden.

Drei typische Schadenfälle

  • Fehlerhafte Schnittstelle: Nach einem Update überträgt die Schnittstelle zum Warenwirtschaftssystem falsche Bestände. Der Kunde liefert zwei Wochen lang falsch aus und verlangt Ersatz für Retouren und Mehraufwand.
  • Migration mit Datenverlust: Bei einer Systemumstellung gehen Kundendaten verloren, das Backup ist unvollständig. Der Kunde fordert die Kosten der Wiederherstellung und den entgangenen Umsatz.
  • Verzögerter Go-live: Ein Projekt wird drei Monate zu spät fertig. Der Kunde macht entgangene Einnahmen und eine vereinbarte Vertragsstrafe geltend.

In allen drei Fällen ist nichts beschädigt und niemand verletzt. Es geht allein um Geld — und genau das ist der Anwendungsfall der Tech-E&O.

Tech-E&O, Cyber und Betriebshaftpflicht — wie sie zusammenspielen

Für ein IT-Unternehmen greifen meist drei Bausteine ineinander:

  • Betriebshaftpflicht: Personen- und Sachschäden (der Besucher stürzt im Büro, ein Gerät wird beschädigt).
  • Tech-E&O: reine Vermögensschäden aus der erbrachten Leistung (Drittschaden beim Kunden).
  • Cyberversicherung: eigene Schäden durch Angriffe auf die eigene IT sowie Drittschäden durch Datenpannen.

Erst zusammen ergibt sich ein lückenloses Bild. Wir stimmen die Bausteine so ab, dass keine Deckungslücke und keine teure Doppelung entsteht.

Worauf Sie bei der Deckung achten sollten

  • Offene Tätigkeitsbeschreibung: Versichert ist nur, was beschrieben ist. Gute Konzepte fassen IT-Tätigkeiten weit, statt einzelne Leistungen aufzuzählen.
  • Rückwärtsdeckung: für Fehler aus abgeschlossenen Projekten, die erst später auffallen
  • Weltweite Deckung inklusive USA/Kanada, wenn Sie dort Kunden haben
  • Vertragsstrafen und Pönalen je nach Konzept mitversichert oder ausgeschlossen
  • Open-Source- und Drittkomponenten, die Sie in Ihre Software einbinden
  • Nachhaftung, wenn das Unternehmen aufgegeben oder verkauft wird
  • Sublimits: Für einzelne Schadenarten, etwa Verzug oder Datenschutzverstöße, gelten oft niedrigere Höchstbeträge als die Versicherungssumme.

Welche Versicherungssumme verlangen Auftraggeber?

Größere Auftraggeber und Projektvermittler geben die Summe meist vor. Üblich sind Vorgaben zwischen 1 und 5 Mio. Euro für Vermögensschäden, teils mit eigenen Anforderungen für Datenschutzverletzungen. Manche Verträge verlangen außerdem, dass der Schutz nach Projektende eine bestimmte Zeit fortbesteht. Schicken Sie uns die Klausel aus Ihrem Vertrag — wir gleichen sie mit der Police ab.

Was kostet eine Berufshaftpflicht für IT-Dienstleister?

Der Beitrag hängt vor allem von Umsatz, Art der Leistung, Versicherungssumme und Auslandsgeschäft ab. Als Orientierung aus der Marktpraxis:

UnternehmenJahresbeitrag (Orientierung)
Freelancer und Einzelberaterhäufig einige hundert Euro netto
Kleine Software- und Beratungsunternehmen, 1 Mio. € Versicherungssummehäufig einige hundert Euro bis in den niedrigen vierstelligen Bereich
SaaS-Anbieter mit geschäftskritischen Systemen, US-Kundenindividuelle Kalkulation, meist deutlich höher

Das sind Orientierungswerte und kein Angebot; hinzu kommen 19 % Versicherungsteuer. Verbindlich ist nur das konkrete Angebot nach Prüfung Ihrer Tätigkeit.

Freelancer, SaaS, KI-Dienstleistungen: Besonderheiten

Freelancer haften mit ihrem Privatvermögen. Projektvermittler verlangen den Versicherungsnachweis in der Regel vor dem ersten Einsatztag.

SaaS-Anbieter haben ein Kumulrisiko: Ein Fehler trifft nicht einen Kunden, sondern alle gleichzeitig. Die Versicherungssumme sollte dazu passen, und die Bedingungen sollten Serienschäden sauber regeln.

KI- und Daten-Dienstleistungen — vom Modelltraining bis zur Beratung rund um den Einsatz von Sprachmodellen — sind in älteren Tätigkeitsbeschreibungen oft nicht ausdrücklich genannt. Wer solche Leistungen anbietet, sollte sie dem Versicherer melden und sich die Mitversicherung bestätigen lassen.

Welcher Anbieter ist der beste?

Einen Versicherer, der für jedes IT-Unternehmen der beste ist, gibt es nicht. Die Konzepte unterscheiden sich in genau den Punkten, die im Schadenfall zählen: wie weit die Tätigkeit beschrieben ist, ob Vertragsstrafen und Verzug gedeckt sind, wie USA-Risiken behandelt werden und welche Cyber-Bausteine enthalten sind. Für ein Zwei-Personen-Beratungsunternehmen passt ein anderes Konzept als für einen SaaS-Anbieter mit Konzernkunden. Als Makler vergleichen wir die Bedingungen anhand Ihrer Tätigkeit und Ihrer Kundenverträge.

Für wen ist das wichtig?

Für Softwareentwickler, IT-Dienstleister, Systemhäuser, SaaS-Anbieter, IT-Berater und Agenturen mit technischer Umsetzung — kurz: für jeden, dessen Leistung beim Kunden geschäftskritisch läuft. Auftraggeber, gerade größere, verlangen den Nachweis einer Tech-E&O oft schon vor Vertragsschluss.

Fazit

Wer IT-Leistungen erbringt, haftet für die finanziellen Folgen seiner Fehler — und die trägt keine Betriebshaftpflicht. Eine passend zugeschnittene Tech-E&O, abgestimmt mit Cyber, ist für IT- und Software-Unternehmen die zentrale Absicherung. Die Deckung selbst beschreiben wir auf der Seite zur Vermögensschadenhaftpflicht (E&O); eine englische Fassung für international geführte Unternehmen finden Sie unter Professional indemnity and Tech E&O in Germany.

Sie haben schon eine Police und sind nicht sicher, ob sie Vermögensschäden deckt? Beim Policen-Check prüfen wir das kostenlos.

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Wir sind ein Versicherungsmakler in München (Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO) und Partner der VEMA Versicherungsmakler Genossenschaft eG. Unser Schwerpunkt: Industrie, Gewerbe und internationale Versicherungsprogramme.

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FAQ

Häufige Fragen

Ist eine Berufshaftpflicht für IT-Dienstleister Pflicht?

Gesetzlich nicht. In der Praxis verlangen Auftraggeber, Projektvermittler und Einkaufsabteilungen den Nachweis aber regelmäßig vor Vertragsschluss, oft mit vorgegebenen Mindestsummen. Ohne Nachweis kommen viele Projekte nicht zustande.

Deckt die Betriebshaftpflicht Softwarefehler?

In der Regel nicht. Die Betriebshaftpflicht deckt Personen- und Sachschäden samt Folgeschäden. Ein Softwarefehler verursacht beim Kunden meist einen reinen Vermögensschaden, und der braucht eine Vermögensschadenhaftpflicht beziehungsweise eine kombinierte IT-Haftpflicht.

Was ist der Unterschied zwischen Tech-E&O und Cyberversicherung?

Tech-E&O deckt Schäden, die Ihr Kunde durch einen Fehler in Ihrer Leistung erleidet. Die Cyberversicherung deckt vor allem Ihre eigenen Schäden nach einem Angriff auf Ihre IT sowie Ansprüche wegen Datenpannen. IT-Unternehmen brauchen üblicherweise beides, häufig in einem abgestimmten Konzept.

Was kostet eine Berufshaftpflicht für IT-Dienstleister?

Der Beitrag hängt von Umsatz, Tätigkeit, Versicherungssumme und Auslandsgeschäft ab. Freelancer zahlen häufig einige hundert Euro im Jahr, kleine Software- und Beratungsunternehmen für 1 Mio. Euro Versicherungssumme häufig einige hundert Euro bis in den niedrigen vierstelligen Bereich. Verbindlich ist nur das konkrete Angebot.

Gilt der Schutz auch für Kunden in den USA?

Nur, wenn es vereinbart ist. Ansprüche, die in den USA oder Kanada oder nach dortigem Recht geltend gemacht werden, sind in vielen Standardkonzepten ausgeschlossen oder eingeschränkt. Wer US-Kunden hat, sollte das ausdrücklich einschließen lassen.

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